St. Marien Rendsburg > Reformationsjubiläum

500 Jahre Reformation


Lasst uns feiern!

Am 8.Juni
 1516 starb der Elefant Hanno, das Lieblingstier von Papst Leo X., ein Ereignis, das zurecht in Vergessenheit geriet. Und doch ist es von Bedeutung, ist es doch ein Indiz für den Zustand des Christentums und des Papsttums vor 500 Jahren. Und in diesen Zusammenhang gehört ein Jubiläum, das wir ein ganzes Jahr feiern werden, der Beginn der Reformation 1517 und dazu ihr Urheber Martin Luther. Dieser war nebenbei der Übersetzer der Bibel ins Deutsche und damit auch der Vater der modernen Deutschen Sprache. So hat er nicht nur den Stein für eine der bedeutenden Glaubensrichtungen im Christentum gelegt, sondern das gesamte Christentum und das ganze Land entscheidend beeinflusst. Versäumen Sie es deshalb nicht, die zahlreichen spannenden Veranstaltungen zu diesem einmaligen Ereignis zu besuchen. Da sind die Vorträge, so am 15.11. im alten Rathaus, die Ausstellungen wie in der Christkirche, die besonderen Gottesdienste in den Kirchen der Region, die Projekte wie die mobile Thesentür der Mariengemeinde und die kreative Umgestaltung des Kirchenraums in Büdelsdorf. Und da sind die historische Dokumentensammlung, erhältlich bei St.Marien und die Bibel in aktueller Sprache, die zum Lesen und Nachdenken einladen. Wer jetzt nicht feiert, versäumt eines der wichtigsten Jubiläen eines Ereignisses, das unsere Gesellschaft und Kultur, unsere Geschichte und unser gesamtes Leben entscheidend geprägt hat. Man soll die Feste feiern, wie sie fallen. Wer jetzt nicht feiert, kann es nimmermehr. Alle, die Angst um unsere Kultur haben, hier können sie erfahren, was eigentlich unsere Kultur ausmacht und wo sie herkommt. Dieses Jubiläum bietet alles, etwas zum Lernen, zum Staunen und zum Nachdenken! 

Jubilate! (Aus der Oktober-Klinke)







Luthers Thesen und der Kommerz

„Was feiern wir mit dem Reformationsjubiläum?“ / Theologe Johannes Schilling sprach im Alten Rathaus
Rendsburg 

Als Martin Luther 1517 seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg schlug, nahm die Reformation ihren Anfang. 25 Jahre später kam es im Alten Rathaus der Stadt Rendsburg zu einer Zusammenkunft mit weitreichenden Folgen: Der Landtag nahm am 9. März 1542 die „Christlyke Kercken Ordeninge, de yn den Fürstendömen, Schleszwig Holsten etc. schal geholden werden“ an. Damit war die evangelisch-lutherische Landeskirche für die Herzogtümer errichtet.

Wiederum 474 Jahre danach – am Dienstag dieser Woche – ging es im Alten Rathaus erneut um die Reformation. Die Stadt Rendsburg und die evangelisch-lutherischen Kirchengemeinden hatten zu ihrem 36. Jahrestreffen eingeladen. Professor Dr. Johannes Schilling vom Institut der Kirchengeschichte an der Christian-Albrechts-Universität Kiel zeigte sich beeindruckt: „Diese Zusammenarbeit von Kommune und Kirchengemeinde ist selten und heute leider nicht mehr selbstverständlich.“

Schilling war als Gastredner eingeladen. „Was feiern wir eigentlich mit dem Reformationsjubiläum?“ lautete das Thema seines Vortrags. Er schilderte die Geschichte der Reformation, ihre Auswirkungen bis heute und den Sinn der Feiern 2017, die – so gab er sich überzeugt – mehr durch ihre Kommerzialisierung als Inhalte in Erinnerung bleiben werden. Doch Martin Luthers Thesen wirken nach Auffassung des Theologen aus Kiel tiefer als bislang gedacht. Luther war gegen den Ablasshandel und empfahl seinem Dienstherrn, den Bischof von Mainz, ihn zu beenden. In einer vierseitigen Schrift klärte Luther über Ablass und Gnade auf: Es sei kein seriöses Geschäft, fürs eigene Seelenheil in dem Glauben zu bezahlen, dass damit den Armen und Bedürftigen geholfen würde.

Trotz Kommerzialisierung: „Die Jubiläen sind ein Segen, bieten sie doch immer wieder Gelegenheit, verstärkt an Schwerpunkte des christlichen Zusammenle-bens zu erinnern“, sagte Schilling. „Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemandem untertan. Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan“ zitierte er Luther. Verantwortung zu übernehmen, Mitbestimmung und Partizipation, der Dienst am Menschen und der Gemeinschaft seien seitdem die Grundlagen einer Bildungsbewegung. Im Lutherjahr werde auch die Ökumene und die Globalisierung des Christentums gefeiert. „Die Mehrheit der Christen lebt auf der südlichen Halbkugel, die Reformation ist kein deutsches Ereignis, auch wenn sie hier ihren Ursprung hatte.“

Beeindruckt zeigte sich Bürgermeister Pierre Gilgenast von Schillings Vortrag mit der Erkenntnis, dass der Dienst an den Menschen eine wichtige Rolle in Kirche und Staat spiele. Reformation bedeutet nicht nur über 400 000 verkaufte Playmobil-Luther-Figuren, sondern auch die Wiederentdeckung des Evangeliums. 


Pressemitteilung

Reformieren heißt erneuern

 

Rendsburg - Martin Luther veränderte mit seinen 95 Thesen das Leben und Wirken vieler Menschen, nicht nur innerhalb der Kirche. Auf seinen Spuren wandelt nun die Kirchengemeinde St. Marien und lädt alle interessierten Bürgerinnen und Bürger ein, Kirche, Gemeinde und Gesellschaft zu erneuern, mit eigenen Thesen – ganz wie Luther es tat. Die Schirmherrschaft für das Projekt haben Propst Matthias Krüger und Bürgermeister Pierre Gilgenast übernommen.

Vier Wochen lang werden an vielen Orten im ganzen Stadtgebiet mehrere tausend Postkarten ausliegen, auf denen jeder seine eigene These formulieren kann: „Was wollen Sie Kirche, Gemeinde oder Gesellschaft sagen?“ fragt der Kirchengemeinderat. Diese Postkarten können dann in Urnen geworfen werden, die beispielsweise im Rathaus, in der Kirche oder in der Bücherei stehen. Wem das zu umständlich ist, der kann die Postkarte auch in jeden Postkasten werfen – das Porto übernimmt die Kirche. Zusätzlich plant der Kirchengemeinderat, unterstützt vom Zentrum für Kirchliche Dienste (ZeKiD), mit einer Kirchentür auf den Wochenmärkten in Rendsburg zu stehen und dort Menschen zu animieren, ihre Gedanken mitzuteilen (Orte und Termine siehe unten).

Pastor Rainer Karstens ist gespannt: „Ob der Dialog funktionieren wird wissen wir noch nicht und wir werden auch mit sehr kritischen Stimmen rechnen müssen. Aber auch das gehört dazu“. Propst Matthias Krüger ergänzt: „Was St. Marien hier initiiert hat, ist sehr mutig. Aber ganz im Sinne Martin Luthers geht es bei diesem Projekt nicht um die Kirchenoberen, sondern um jeden und jede in der Gesellschaft: Das Priestertum aller Gläubigen bedeutet auch, dass der oder die Einzelne wichtig ist und gehört werden soll“. Er freue sich, als Schirmherr das Projekt begleiten zu können. Für Bürgermeister Pierre Gilgenast war von Anfang an klar, dass er dieses Projekt unterstützt: „Diese Möglichkeit, Impulse von Einzelnen zu bekommen, die wir dann in Politik und Kirche gleichermaßen einfließen lassen können will ich gerne wahrnehmen“. 

Die Aktion startet am 31.10.2016 mit einem Gottesdienst um 18:10 Uhr. Zu Beginn dieses Gottesdienstes, der zugleich der Auftakt für das Reformationsjubiläumsjahr in St. Marien ist, werden die ursprünglichen Thesen Martin Luthers vorgetragen und auch angeschlagen.Beendet wird die Sammlung der neuen Thesen mit der Wahl der Kirchengemeinderäte am 27.11.2016. Die Karten werden in der Kirche ausgestellt, im Januar trifft sich dann eine Kommission mit Mitgliedern der Kirchengemeinde, der Stadt, des ZeKiDs sowie den beiden Schirmherren und wertet die eingegangenen Thesen aus. Die zentralen Themenbereiche und wichtigsten Thesen sollen später veröffentlicht werden, vorgestellt werden die „Rendsburger Thesen 2016“ Mitte Februar 2017. Diese Kernthesen sollen anschließend die Grundlage für kirchliche Arbeit aber auch politisches Wirken werden.

 

Thesentür auf Wanderschaft im Rendsburger Raum

31.10., 18:10 Uhr, St. Marien

2.11., 10 – 12 Uhr, Wochenmarkt Schiffbrückenplatz 

5.11., 10 – 12 Uhr Wochenmarkt, Paradeplatz

6.11., 9:30 -11:30 Uhr, Christkirche

11.11., 14 – 16 Uhr, Wochenmarkt Nordmarkhalle

12.11., 10 – 12 Uhr, Wochenmarkt Schiffbrückenplatz

13.11., 9 – 11:30 Uhr, Kirche St. Jürgen

15.11., 19 – 22 Uhr, Altes Rathaus

16.11., 10 – 12 Uhr, Wochenmarkt Paradeplatz

18.11., 14 – 16 Uhr, Wochenmarkt Nordmarkhalle

19.11., 10 – 12 Uhr, Wochenmarkt Schiffbrückenplatz

22.11., Zentrum für Kirchliche Dienste

27.11., ab 10 Uhr, Haus der Kirche

 

Verantwortlich für den Pressetext: Susanne van den Bergh