Andacht zur 4. Woche der Fastenaktion: Zuversicht – 7 Wochen ohne Pessimismus

Ich hoffte auf Licht - und es kam Finsternis

 

Hiob 30,24-31

„Aber wird man nicht die Hand ausstrecken unter Trümmern

und nicht schreien in der Not?

Weinte ich nicht über den, der eine schwere Zeit hat,

grämte sich meine Seele nicht über den Armen?

Ich wartete auf das Gute, und es kam das Böse;

ich hoffte auf Licht, und es kam Finsternis.

In mir kocht es und hört nicht auf;

mich haben überfallen Tage des Elends.

Ich gehe schwarz einher, doch nicht von der Sonne;

ich stehe auf in der Gemeinde und schreie.

Ich bin ein Bruder der Schakale geworden und ein Geselle der Strauße.

Meine Haut ist schwarz geworden und löst sich ab von mir,

und meine Gebeine sind verdorrt vor hitzigem Fieber.

Mein Harfenspiel ist zur Klage geworden und mein Flötenspiel zum Trauerlied.“

 

Pessimismus wäre hier das ganz falsche Wort. Bei Hiob geht es um mehr als Schwarzsehen. Was er durchmachen musste, die Schicksalsschläge, die ihn getroffen haben, all das Dunkel in seinem am Anfang so hellen Leben - das alles hat ihn gezeichnet. Finsternis umgibt ihn jetzt und färbt auf ihn ab, sie durchdringt ihn bis auf die Knochen. Da hat einer auf Gott gehofft bis er schwarz geworden ist - und zwar nicht nur sprichwörtlich. Dass auch wieder andere Zeiten kommen werden, dass dies nur eine Phase ist, davon weiß Hiob noch nichts. Und es ist auch egal.

Die gut gemeinten Ratschläge seiner Freunde, die Deutungen seines Schicksals durch sie sind ihm wohlbekannt. Sie verfangen bei ihm nicht. Nein, das ist nicht seine Schuld und auch keine Prüfung seines Glaubens. Hiob war von Anfang an fromm und rechtschaffen und ist es immer noch. Und nein, er wird auch nicht irgendwann schon sehen, wofür es gut gewesen ist. All das, was sich kühl analysierend mit dem Fachbegriff "Kontingenzbewältigung" zusammenfassen lässt, hilft Hiob in seiner Situation überhaupt nicht weiter. Denn er bewältigt gar nichts. Er leidet. Ohne dass er einen Sinn erkennen kann. Und schon gar nicht in kühler Distanz seine Situation analysierend, sondern selbst betroffen und damit
brennend heiß. In Hiob kocht die Frage, was dieses Leiden mit Gott zu tun hat. Wie eine dunkle Schicht von Angebranntem unten im Topf hat sie sich am Boden seines Lebens festgesetzt.

Warum widerfahrt guten Menschen Böses? Warum gibt es Leiden, dem sich auch mit aller
gedanklichen Anstrengung kein Sinn abgewinnen lässt? Diese Frage kocht schon immer in den Menschen. Und den wenigsten gelingt es, diesen Topf einfach vom Herd zu ziehen und zu sagen: Das ist eben so. Es gibt das Leiden, fertig. Selbst in unserer säkularisierten Gegenwart verstummt die Frage nach dem Warum ja nicht einfach.

Im Hiobbuch werden in quälend langen Kapiteln alle bekannten Deutungsversuche durch-
exerziert. mit den Reden der Freunde Hiobs und mit seinen Argumenten dagegen. Man kann
sich das eigentlich sparen und gleich in Kapitel 30 mit der Lektüre anfangen. "Ich wartete auf
das Gute, und es kam das Böse; ich hoffte auf Licht. und es kam Finsternis." So ist das. In vielen Menschenleben passiert das. Jede und jeder kennt doch eine Geschichte, in der es so ähnlich wie bei Hiob geht: alles hell und bunt und schön - und auf einmal nur noch schwarz. Ein dunkler Bodensatz aus Leid. Alles, was mir geschieht, mit Gott in Beziehung zu setzen - das ist eine überaus anspruchsvolle Lebenshaltung, im eigenen Leben und auch angesichts des Leids in der Welt. Wie mühen wir uns oft, Leid und Katastrophen mit einem liebenden Gott zusammenzubringen, werden danach gefragt, manchmal sogar verantwortlich gemacht und reiben uns doch selbst bis zur Schmerzgrenze an diesen Erfahrungen.

Dafür ist in der Bibel Platz. Ein ganzes Buch mit 42 Kapiteln lang kann man mitverfolgen,
wie Hiob leidet. Dass Gott weit weg ist und gleichzeitig schmerzhaft nah. Hiob reibt sich an
Gott. Sein Leid besteht nicht in all dem, was ihm widerfahren ist. Hiobs Leid im Leiden besteht darin, dass er all das mit Gott in Zusammenhang bringen muss. Und trotz allem weiter hofft.

 

Ein Gebet zu Psalm 34,8

(nach Doris Joachim)


„Jetzt, mein Gott, täten Engel gut.
An unserer Seite und um uns herum.
Denn wir brauchen Mut.
Und Phantasie.
Und Zuversicht.
Darum: Sende deine Engel.

Zu den Kranken vor allem. Zu den nach Luft schnappenden, den Sterbenden.
Und zu den Besorgten, den Geschockten, den Weinenden und den Trauernden. Überall.

Sende deine Engel zu denen, die anderen zu Engeln werden:
Ärztinnen und Pfleger,
Rettungskräfte und Arzthelferinnen,
alle, die nicht müde werden, anderen beizustehen.

Sende deine Engel zu den Verantwortlichen
in Gesundheitsämtern und Einrichtungen,
in Politik und Wirtschaft.

Und zu den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern
auf der Suche nach Heilmitteln und Impfstoffen.

Sende deine Engel auch zu denen,
an die jetzt kaum jemand denkt – jetzt in der Zeit des Virus:
Die Menschen auf der Straße,
die Armen,
die Geflüchteten in den Lagern in Griechenland
und im türkisch-griechischen Grenzgebiet.

Jetzt, mein Gott, tun uns die Engel gut. Du hast sie schon geschickt.
Sie sind ja da, um uns herum.
Hilf uns zu sehen, was trägt.
Was uns am Boden hält und mit dem Himmel verbindet,
mit dir, mein Gott.
Denn das ist’s, was hilft und tröstet.
Jetzt und in Ewigkeit. Amen.