Die Reinoldsburg als Ursprung des Ortes Rendsburg erschien erstmals 1199 in einer Chronik. Die im folgenden Jahrhundert entstehende Stadt besaß vermutlich 1230 eine eigene Kirche, die 1286 niederbrannte. Die damals zahlenmäßig noch unbedeutende Einwohnerschaft gehörte bis Mitte des 13. Jahrhunderts zum Kirchspiel Jevenstedt, das schon vor 1190 über eine eigene Kirche verfügte.

In einer unter dem 10.4.1266 beglaubigten Urkunde des Erzbischofs Hildebold von Bremen wird erstmals eine Pfarre in Rendsburg erwähnt, die dem Domkapitel von Hamburg angehört. Von da an kann von einem Kirchspiel Rendsburg-St.Marien ausgegangen werden.

Im Jahre 1287 wurde auf dem höchsten Punkt der Eiderinsel mit dem Neubau der St.Marienkirche begonnen.

Nach Gründung der Christkirchengemeinde Rendsburg-Neuwerk im Jahre 1700 wurde eine Abgrenzung zwischen den beiden Stadtgemeinden notwendig, die erst 1967 ihren Abschluß fand. In diesem Zusammenhang sind alle südlich des Kanals liegenden Stadtteile und das Gebiet am Kreishafen in die Christkirchengemeinde überführt worden.

 

Im Kirchspiel Rendsburg-St.Marien nahm die Reformation 1528 ihren Anfang. Als der altgläubige Priester und Kirchherr Johan Schröder gestorben war, wandte sich der Rat der Stadt an König Friedrich I., der sich zu diesem Zeitpunkt in Eckernförde aufhielt. Er hatte das Patronatsrecht über die Kirche St.Marien in Rendsburg, und damit stand ihm das Recht zu, den Kirchherrn zu bestimmen. Er wählte hierfür den lutherischen Prediger Dr. Peter Mellitius aus, der sich gerade in seinem Gefolge befand. Die Einwohner der Stadt nahmen diese Maßnahme offensichtlich ohne Widerstand hin. Es dauerte aber noch eine ganze Weile, bis die Reformation sich voll durchsetzen konnte, da es etwa 12 Vikare in Rendsburg gab, die bei der alten Gottesdienstordnung blieben, auch weil sie das Predigen nicht gelernt hatten. So sind über einen Zeitraum von 10 Jahren Gottesdienste beider Konfessionen nebeneinander in der Kirche St.Marien abgehalten worden. Die neue Lehre setzte sich dann mit der Berufung des Pastors Johan Meier endgültig durch, der von 1532 - 1561 Kirchherr an St.Marien war.

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts begann man mit dem Bau des Turmes von St.Marien. Um dieselbe Zeit wurde die flache Decke durch ein Gewölbe ersetzt. Das ganze 16. Jahrhundert hindurch erfuhr die Kirche zahlreiche Reparaturen, Ausbauten und Veränderungen. So hat man u.a. noch am Gewölbe gearbeitet, den Turm weitergebaut und mit einer Spitze versehen, einen westlichen Dachreiter aufgesetzt, das Dach neu gedeckt und das Innere ausgemalt.

Das erste Uhrwerk der Kirche, das viertelstündlich schlug, hat 1693 der Uhrmacher Paul Schröder eingebaut.

In der Zeit der Napoleonischen Kriege zogen sich 1813 dänisch-schleswig-holsteinische Truppen unter Prinz Friedrich von Hessen nach dem Gefecht bei Sehestedt in die Festung Rendsburg zurück. Die mitgeführten 600 Gefangenen wurden in der Marienkirche verwahrt. Das gleiche geschah 1848/49 während der schleswig-holsteinischen Erhebung mit dänischen Gefangenen, so daß beide Male anschließend die nicht geringen Schäden in der Kirche beseitigt werden mußten. In den Jahren 1852 bis 1854 wurde die Kirche gründlich restauriert, 1862/63 der Turm ausgebessert und das Westportal erneuert. Die ursprünglichen Seiteneingänge, die vor der Reformation auch für Prozessionen vorgesehen waren, sind zugemauert worden.

 

Nach dem 2. Weltkrieg stieg auch in Rendsburg die Einwohnerzahl sprunghaft an und wie im Norden der Stadt erfuhren auch die südlichen Teile Schleife und Parksiedlung - hier besonders nach Abbruch des Zuchthauses - eine sich rasch ausweitende Bebauung. Das veranlaßte die Kirchengemeinde Rendsburg-St.Marien, in dieser Gegend ein vom Rendsburger Architekten Heinz Schröder entworfenes Gotteshaus mit Pastorat und später einem Kindergarten zu errichten, das 1959 unter dem Namen Bugenhagenkirche eingeweiht werden konnte.

 

Der Innenraum faßt 150 Personen und kann mit dem benachbarten Gemeindesaal auf 300 Plätze erweitert werden. Über dem Altar hängt ein einfaches Holzkreuz, den Altaraufsatz bildet eine in Spanien gefertigte Abendmahlgruppe aus Holz. Später wurde nach dem Entwurf der Kieler Architekten Bolz und Detlefsen ein 35 m hoher, freistehender Glockenturm hinzugefügt.

Zur Betreuung ihrer in der Parksiedlung - dem früheren Zuchthausgelände - wohnenden Gemeindeglieder beschloß der Kirchenvorstand von St.Marien 1962 die Errichtung eines Gemeindezentrums mit Kindergarten und Pastorat, das nach der Grundsteinlegung durch Propst Diederichsen am 7.10.1966 im Jahre 1967 bezogen werden konnte. Neben dem Gemeindehaus mit Saal beherbergt es auch eine Altentagesstätte.

Die Kirchengemeinde hat unmittelbar vor ihrer Kirche 1985 auf altem, immer wieder neubebautem Kirchengrund ein repräsentatives Gemeindehaus erhalten, in dem auch der Propst mit dem Kirchenkreis eine Heimstatt gefunden hat.

 

Die Kirchengemeinde, der am 1.9.1993 insgesamt 8.347 evangelische Gemeindeglieder angehörten, unterhält zwei Kindertagesstätten sowie zusammen mit der Christkirchengemeinde Rendsburg-Neuwerk und der Kirchengemeinde St.Jürgen Rendsburg die Pflege LebensNah", das Hilfswerk der Kirchengemeinden der Stadt Rendsburg, mit Gemeindekrankenpflege, Haus- und Familienpflege, Tagespflege, Kurzzeitpflege, Betreutem Wohnen, Begegnungsstätte und Sozialstation. Ein Hospiz befindet sich in Planung.

Zur Kirchengemeinde gehören heute die Stadtteile Altstadt, Altes Kronwerk mit Teilen der Mühlenau, Parksiedlung und Schleife.

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